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Fliegermuseum „Clin
d’Ailes“ Payerne , 22. September
2006, 12:39 HBT: Operator
Bertrand
Bladt, HB9SLO verfolgt aufmerksam die Darstellung des
Satelliten-Trackprogramms auf dem Bildschirm seines PC. Unaufhaltsam
rückt die ISS (International Space Station) auf ihrem Orbit um die Erde
näher. Sie befindet sich jetzt über dem Atlantik. Leicht beirrt durch
die neugierigen Blicke der am Projekt direkt beteiligten Studenten und
der hohen Gäste aus Politik, Militär sowie der Mitglieder der
Schweizerischen Raumfahrts-Vereinigung und der Presseleute überprüft
Bertrand routinemässig seine Geräte
und deren Einstellungen. Er, die Station HB4FR und die Backupstation
sind bereit – „d’ISS söll emol cho“!
Herbert
Aeby HB9BOU, der Projektleiter des Vorhabens, kommentiert für die Gäste
das Geschehen, derweil Claude Nicollier, unser Schweizer Raumfahrer und
seit kurzem HB9CN versucht, die 20 beteiligten Studenten zu beruhigen.
In einer
Ecke ruft Michel Berger HB9BOI, Stellvertretender PL diskret über das 70
cm – Führungsfunknetz den technischen Verantwortlichen, Manfred
Oberholzer HB9ACA auf. Er will wissen, ob der letzte Readyness-Check
positiv war und auch alle mitarbeitenden Amateurfunker-Kameraden auf
Posten und bereit sind. Manfred war eben dabei, die Bewegungen der
beiden 6-Elemente-X-Quad hoch oben auf den pneumatisch ausfahrbaren 8m
Masten der zwei Radar-Anhänger zu beobachten, die uns für diese Aktion
von der Armee zur Verfügung gestellt wurden.
Gymnase
Intercantonal de la Broye (GYB) Payerne , 22. September
2006, zur gleichen Zeit: Etwa
100 Studenten fiebern in der der vollen, 350 Plätze bietenden Aula
zusammen mit ihren Eltern, dem Lehrpersonal und vielen Gästen ebenfalls
mit. Paul, HB9RXV überträgt mit seinen SwissATV-Kameraden das Geschehen
vom Fliegermuseum in bester Qualität direkt in das Gymnasium auf einen
Grossbildschirm, so dass man auch hier in „real time“ mitten im
Geschehen ist. Auf einem zweiten Bildschirm können die Teilnehmer das
Satelliten-Trackprogramm verfolgen und Fritz Friedli , HB9TNA führt mit
Hintergrund-Informationen durch das Ereignis.
Ein
kurzer Blick ins Internet: Swisscom hat dafür gesorgt, dass die SwissATV Übertragung ins
Gymnasium auch im Internet unter der URL „www.schoolnet.ch/ariss“
verfolgt werden kann. Wer weiss, wer da jetzt alles das Geschehen
ebenfalls in Echtzeit mitverfolgt. Nichts wurde dem Zufall überlassen,
um eine möglichst breite Öffentlichkeit am Ereignis „ARIS-GYB“ teilhaben
zu lassen.
Zurück
ins Fliegermuseum: Das
Satelliten-Trackprogramm auf Bertrands Bildschirm zeigt jetzt die
Situation der ISS um 12:42 HBT. Noch 2 Minuten bis zum AOS (Aquisition
point of Satellite). In etwas mehr als 2 Minuten also wird die ISS am
„Radiohorizont“ auftauchen, ein paar Sekunden später als das Programm
das ankündigt - der Jura steht da leider etwas „quer“. Bertrand
überprüft ein letztes mal die um den Betrag der Dopplerfrequenz
korrigierten Up- und Downlink-Frequenzen für den Kontakt mit der ISS.
Die Schüler sind schon ganz aufgeregt vor Ungeduld und Lampenfieber. Sie
müssen schliesslich die 20 vorbereiteten Fragen an die Astronauten
richten – auf englisch - versteht sich!
Fliegermuseum,
12:43:00 HBT: Operateur
Bertrand konsultiert die Dopplerfrequenz und korrigiert nochmals
etwas die QRG. Ein Adrenalinstoss versetzt ihn in höchste Spannung –
nichts darf schief gehen! Die Kurve des Radiohorizonts rückt näher und
näher an den Standort Payerne. Claude Nicollier ist gelassen. Ihm kommt
die Ehre und Freude zu, das QSO zu eröffnen. Jetzt … der AOS ist
erreicht! Operator Bertrand betätigt die PTT Taste: „Delta Papa Zero
India Sierra Sierra – from Hotel Bravo four Foxtrott Romeo calling –
over“! Ein leises knacken ist im Lautsprecher zu hören, und dann:
nichts! Also nochmals: „Delta Papa Zero India Sierra Sierra – from
Hotel Bravo four Foxtrott Romeo calling – over“. Ein kurzes Rauschen
und … wieder nichts! Die Spannung nimmt zu, aber Bertrand, unbeirrt,
ruft weiter – ein drittes – ein viertes mal. Immer noch keine Antwort
von der ISS! Die Anspannung wächst ins Unerträgliche. Für die 28
beteiligten OM beginnt der Krisenstress und das Zwangslagenmanagement.
Beharrlich ruft der Operator weiterhin die Raumstation auf und da – die
ISS schon fast im Zenith – endlich die Erleichterung: “Hotel Bravo
Four Foxtrot Romeo – this is Delta Papa Zero India Sierra Sierra –
Thomas Reiter speaking – five nine - Good day to everyone – over!”
Claude Nicollier ergreift das Mike, eröffnet das QSO mit seinem
Raumfahrtskameraden und leitet dann sofort zu den Fragen der Studenten
über. Schliesslich stehen sie hier im Mittelpunkt. Das Mike geht, wie am
Vortag eingeübt, von Schüler zu Schüler. Tief beeindruckt vom
historischen Moment, artikulieren sie dennoch erstaunlich sicher ihre
Fragen, welche von Thomas Reiter, dem deutschen Astronauten an Bord der
ISS ruhig, knapp, präzise, und sehr herzlich beantwortet werden. Die
Zeit drängt, denn die ISS fliegt mit 8 km/sec unaufhaltsam schnell dem
LOS-Punkt (Lost of Satellite) entgegen. In weniger als 5 Minuten wird
sie aus unserem Radiohorizont von HB4FR verschwinden. Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Astronaut auf der
Erde, HB9CN, und ein Astronaut auf der ISS, DF4TR, eine ARISS Verbindung
eröffnen und abschliessen.
Zum krönenden Abschluss
der Operation „ARISS-GYB“ nahmen die Schüler und viele Gäste in der Aula
des Gymnasiums an der Vortragsreihe „Space Days“ der Schweizerischen
Raumfahrts-Vereinigung teil, welche im Rahmen der Generalversammlung
dieser Gilde in Payerne stattfand. Unter anderen hielt HB9CN, Claude
Nicollier auch einen Vortrag zum Thema "Astronautique - sujet de
fascination pour la jeunesse".
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ARISS steht
als Akronym für „Amateur Radio on International Space Station“. Auf der
ISS ist der Amateurfunk ein fester Bestandteil.
Radioamateurvereinigungen der ISS-Partnerländer USA, Kanada, Russland,
Europa und Japan haben diese Organisation geschaffen, um als Beauftragte
der Weltraumagenturen so genannte ARISS-Schulkontakte zu organisieren.
Schulen, die sich für einen Kontakt mit der ISS interessieren, bereiten
ein spezielles Ausbildungsprogramm vor, welches mit Wissenschafts-
Raumfahrt- und Technikinhalten speziell auf das Ereignis ausgerichtet
ist. Ist die Kandidatur genehmigt und ein Kontaktzeitpunkt festgelegt,
bereiten die Schüler auch einen Katalog von Fragen an die Astronauten
vor und freiwillige Radioamateure bauen mit ihrem Material die
Bodenstation auf. Während dem etwa 10 Minuten dauernden Überflug der ISS
beantwortet ein Astronaut die Fragen der Schüler.
GYB
steht für Gymnase Intercantonal de la Broye (Interkantonales Gymnasium
des Broyetales) in Payerne. Es handelt sich um eine Lehranstalt mit
Sekundarschulabteilung und Gymnasium für die Schüler aus dem Gebiet des
Broyetales. Gegenwärtig können am GYB die Sekundar- und
Maturitätszeugnisse erworben werden. Später ist auch eine
Berufsmaturität vorgesehen. Das GYB ist in der Schweiz, einem Land mit
kantonaler Schulhoheit, etwas Einmaliges. Die Schüler stammen aus den
zwei Kantonen Freiburg und Waadt mit unterschiedlichen Schulprogrammen.
In der GYB sitzen sie aber zusammen in der gleichen Klasse – und
„büffeln“ nach demselben Lehrprogramm!
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Rückblende zur Entstehung
und Evolution der Operation ARISS-GYB
Die Ursprünge dieser Aktion sind eng mit dem Aufbau des Fliegermuseums „Clin
d’Ailes“ auf dem Militärflugplatz Payerne verknüpft. Weitsichtige
Gründungsmitglieder wollten den Funk als wichtiges Element der
Militär-Fliegerei auf attraktive Art in die Ausstellung integrieren.
Dies geschah durch den Aufbau der Amateurfunkstation HB4FR durch Herbert
Aeby HB9BOU zusammen mit seinen Amateurfunkerkameraden, die auf dem
Militärflugplatz tätig sind. Dazu brauchte es aber einen Aufhänger, der
eine Beziehung zur Fliegerei im Allgemeinen herstellte, und das war
SAREX (Space Amateur Radio Experiment; Vorgängerorganisation von ARISS).
Langsam reifte die Projektidee heran, bis dann - vor den Sommerferien
2005 - durch die Kontaktaufnahme mit dem Gymnasium Intercantonal de la
Broye (GYB) der erste konkrete Schritt erfolgte.
Hier die
wichtigsten Stationen auf dem weiteren Weg zum QSO mit der ISS: Nach den
Sommerferien im August 2005 beginnt am GYB der spezifische Unterricht.
Der Lehrplan beinhaltet nun Lektionen zu ausgewählten Themen wie
Amateurfunk, Grundlagen der Funktechnik, ARISS, Raumfahrt,
Wettersatelliten, Besuchen u.a.m. Das Programm sieht auch eine
zweistündige Lektion über Raumfahrt durch Claude Nicollier und den Bau,
die Einrichtung und den Betrieb einer permanenten Amateur-Wetterstation
am GYB vor. In Zukunft soll der Geographieunterricht an der Schule mit
NOAA-Wetterbildern ergänzt werden. Die Ausarbeitung von 20 Fragen an
einen Astronauten der ISS in französischer Sprache mit Übersetzung ins
Deutsche und Englische ist ebenfalls Bestandteil des speziellen
Ausbildungsprogramms.
Zu Beginn
des Jahres 2006 wird unser Schweizer Astronaut und Gründungspräsident
des Fliegermuseums Claude Nicollier aktiv in das Projekt eingebunden.
Im Mai
dieses Jahres bestätigt Gaston Bertels ON4WF und Chairman ARISS Europe
den 22.9.06 als „ARISS-GYB“-Zeitpunkt. Hierauf nehmen Waadtländer- und
Freiburger Amateurfunker um Projektleiter Herbert Aeby , HB9BOU wie auch
viele andere freiwillige Mitarbeiter aus den Bereichen Armee, Politik,
PR, Presse, Schule u.a.m. die Detailvorbereitungen des Ereignisses in
Angriff.
Im Juli 2006
fliegt Thomas Reiter DF4TR an Bord der Discovery-Mission STS-121 (Space
Transport System) zur ISS. Er ist der designierte QSO-Partner mit dem
Stationsrufzeichen DPØISS.
Die
Countdown-Abbrüche der Discovery-Mission STS‑115 im August und September
2006 verursachen bei den Organisatoren schlaflose Nächte, denn der QSO-Termin ist dadurch kompromittiert. Die ESA steht erfolgreich für den
Erhalt des QSO-Datums ein, doch verschiebt sich der Zeitpunkt auf 12:40
HBT. Schliesslich startet diese Mission doch noch und das QSO ist
gewährleistet!
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Das Ergebnis der Operation
„ARISS-GYB“ ...
...
ist auf der ganzen Linie eine einzige Erfolgsgeschichte. Die
verantwortlichen Organisatoren, die beteiligten Amateurfunker,
Schulleitung, Schüler und Lehrer: alle haben sie viel gelernt und sind
stolz auf das Erreichte. Das Ziel von ARISS, nicht nur Schulen, sondern
eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Interesse an Raumfahrt,
Wissenschaft und Technik – und so ganz nebenbei auch für den Amateurfunk
– zu wecken, wurde ganz und gar erreicht.
Wie viele
zukünftige Amateurfunker durch dieses Ereignis unsern Kreis erweitern
werden, wissen wir nicht. Sicher ist jedoch, dass alle direkt an der
Aktion Beteiligten wie auch der grosse Gästekreis, sowie TV, Radio und
Presse, von den Möglichkeiten des Amateurfunkwesens, vom Können und
Wissen und von der Begeisterung der involvierten Freiburger- und
Waadtländer Amateurfunker sowie der SwissATV-Gruppe tief beeindruckt
waren.
Der in
jeder Beziehung grosse Aufwand hat sich gelohnt. Die Begeisterung und
die leuchtenden Augen der Schüler von der Vorbereitung bis zum
Abschluss der Operation ARISS-GYB ist uns Beweis genug. HB9BOU Herbert
Aeby und seine Amateurfunkerfreunde erwägen schon die nächste
ARISS-Aktion … |


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